F44.- Dissoziative Störungen [Konversionsstörungen]

ICD-10-GM 2022Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten — amtlicher Diagnoseschlüssel in Deutschland.
§ 301 · § 295Nicht endständig — zur Verschlüsselung einen Subkode wählen · stationär (§ 301 SGB V): nicht zur Verschlüsselung zugelassen · ambulant (§ 295 SGB V): nicht zur Verschlüsselung zugelassen
Definition:

Das allgemeine Kennzeichen der dissoziativen oder Konversionsstörungen besteht in teilweisem oder völligem Verlust der normalen Integration der Erinnerung an die Vergangenheit, des Identitätsbewusstseins, der Wahrnehmung unmittelbarer Empfindungen sowie der Kontrolle von Körperbewegungen. Alle dissoziativen Störungen neigen nach einigen Wochen oder Monaten zur Remission, besonders wenn der Beginn mit einem traumatisierenden Lebensereignis verbunden ist. Eher chronische Störungen, besonders Lähmungen und Gefühlsstörungen, entwickeln sich, wenn der Beginn mit unlösbaren Problemen oder interpersonalen Schwierigkeiten verbunden ist. Diese Störungen wurden früher als verschiedene Formen der "Konversionsneurose oder Hysterie" klassifiziert. Sie werden als ursächlich psychogen angesehen, in enger zeitlicher Verbindung mit traumatisierenden Ereignissen, unlösbaren oder unerträglichen Konflikten oder gestörten Beziehungen. Die Symptome verkörpern häufig das Konzept der betroffenen Person, wie sich eine körperliche Krankheit manifestieren müsste. Körperliche Untersuchung und Befragungen geben keinen Hinweis auf eine bekannte somatische oder neurologische Krankheit. Zusätzlich ist der Funktionsverlust offensichtlich Ausdruck emotionaler Konflikte oder Bedürfnisse. Die Symptome können sich in enger Beziehung zu psychischer Belastung entwickeln und erscheinen oft plötzlich. Nur Störungen der körperlichen Funktionen, die normalerweise unter willentlicher Kontrolle stehen, und Verlust der sinnlichen Wahrnehmung sind hier eingeschlossen. Störungen mit Schmerz und anderen komplexen körperlichen Empfindungen, die durch das vegetative Nervensystem vermittelt werden, sind unter Somatisierungsstörungen (F45.0) zu klassifizieren. Die Möglichkeit eines späteren Auftretens ernsthafter körperlicher oder psychiatrischer Störungen muss immer mitbedacht werden.

Inklusive:

Hysterie

Hysterische Psychose

Konversionshysterie

Konversionsreaktion

Exklusive:

Simulation [bewusste Simulation] Z76.8

Subkodes10

F44.0 Dissoziative AmnesieMorbi-RSA
F44.1 Dissoziative FugueMorbi-RSA
F44.2 Dissoziativer StuporMorbi-RSA
F44.3 Trance- und BesessenheitszuständeMorbi-RSA
F44.4 Dissoziative BewegungsstörungenMorbi-RSA
F44.5 Dissoziative KrampfanfälleMorbi-RSA
F44.6 Dissoziative Sensibilitäts- und EmpfindungsstörungenMorbi-RSA
F44.7 gemischtMorbi-RSA
F44.8- Sonstige dissoziative Störungen [Konversionsstörungen]Ambulant 4-stelligMorbi-RSA
F44.9 Dissoziative Störung [Konversionsstörung], nicht näher bezeichnetMorbi-RSA

Diagnosehäufigkeit

9.521 Fälle · 75 % Frauen · Gipfel 20 bis unter 25 Jahre · 53 % Neurologie’22

Zusammengezählt über alle Kodes unter F44.-.

Rang 313 von 1.540 auf derselben Katalogebene · 0,055 % aller Krankenhausfälle · Hälfte der Männer ab etwa 34, der Frauen ab etwa 29 Jahren

Alter der Patientinnen und PatientenAnteil der Fälle
Jahre
▸ Zahlen je Altersgruppe
AltersgruppeFälleMännerFrauenAnteil⌀ Tage
unter 1 Jahr1100,011 %2,0
1 bis unter 5 Jahre3300,032 %1,7
5 bis unter 10 Jahre4211310,44 %9,1
10 bis unter 15 Jahre5951164796,2 %14,4
15 bis unter 18 Jahre99517082510 %11,1
18 bis unter 20 Jahre6171045136,5 %7,8
20 bis unter 25 Jahre1.4052781.12715 %10,4
25 bis unter 30 Jahre9442506949,9 %10,5
30 bis unter 35 Jahre9163046129,6 %8,9
35 bis unter 40 Jahre7811945878,2 %10,3
40 bis unter 45 Jahre6601764846,9 %13,4
45 bis unter 50 Jahre5551244315,8 %12,7
50 bis unter 55 Jahre5811893926,1 %12,0
55 bis unter 60 Jahre5612183435,9 %12,9
60 bis unter 65 Jahre3831362474,0 %15,8
65 bis unter 70 Jahre155461091,6 %12,1
70 bis unter 75 Jahre10528771,1 %8,1
75 bis unter 80 Jahre9328650,98 %8,5
80 bis unter 85 Jahre9030600,95 %8,9
85 bis unter 90 Jahre366300,38 %7,7
90 bis unter 95 Jahre2020,021 %4,5
ab 95 Jahren1010,011 %2,0

Verweildauer nach Alter: zwischen ⌀ 7,8 Tagen (18 bis unter 20 Jahre) und ⌀ 15,8 Tagen (60 bis unter 65 Jahre).

Behandelnde Fachabteilung

9.521 Fälle

Vor allem Neurologie und Allgemeine Psychiatrie (53 % und 13 %)

  • Neurologie53 %5.041
  • Allgemeine Psychiatrie13 %1.212
  • Pädiatrie13 %1.192
  • Innere Medizin7,6 %728
  • Psychosomatik/Psychotherapie5,7 %546
  • Übrige 23 Abteilungen8,4 %802
▸ Übrige einzeln
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie2,8 %264
  • Intensivmedizin1,6 %153
  • Sonstige Fachabteilung1,4 %131
  • Kardiologie0,84 %80
  • Neurochirurgie0,66 %63
  • Gastroenterologie0,28 %27
  • Hals-Nasen-Ohrenheilkunde0,18 %17
  • Geriatrie0,17 %16
  • Unfallchirurgie0,13 %12
  • Chirurgie0,11 %10
  • Pneumologie0,063 %6
  • Frauenheilkunde und Geburtshilfe0,032 %3
  • Kinderkardiologie0,032 %3
  • Nephrologie0,032 %3
  • Orthopädie0,032 %3
  • Dermatologie0,021 %2
  • Kinderchirurgie0,021 %2
  • Zahn- u. Kieferheilkunde, Mund- u. Kieferchirurgie0,021 %2
  • Augenheilkunde0,011 %1
  • Endokrinologie0,011 %1
  • Hämatologie und internistische Onkologie0,011 %1
  • Plastische Chirurgie0,011 %1
  • Rheumatologie0,011 %1

Gezählt wird die Abteilung mit der längsten Verweildauer des Falls — nicht jede, die den Patienten gesehen hat.

Gezählt werden Entlassungen, nicht Personen — wer mehrfach im Jahr stationär war, zählt mehrfach. Erfasst ist ausschließlich die Hauptdiagnose: wie oft der Kode als Nebendiagnose vergeben wird, sagt diese Statistik nicht. Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis); Anteile, Summen und Mittelwerte sind eigene Berechnungen. Datenquellen und Urheberrechte

Änderungen

2010Bestand
Dissoziative Störungen [Konversionsstörungen]

Seit mindestens 2010 unverändert. Jahrgänge 2010–2027 und Überleitungstabellen des BfArM. Unterschiede nur in Schreibweise, Abkürzung oder im vorangestellten Text der übergeordneten Rubrik gelten nicht als Änderung.

Quelle: ICD-10-GM, Version 2022 — Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification, herausgegeben vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Inhalte werden unverändert wiedergegeben. Datenquellen und Urheberrechte