F44.- Dissoziative Störungen [Konversionsstörungen]

ICD-10-GM 2024Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten — amtlicher Diagnoseschlüssel in Deutschland.
§ 301 · § 295Nicht endständig — zur Verschlüsselung einen Subkode wählen · stationär (§ 301 SGB V): nicht zur Verschlüsselung zugelassen · ambulant (§ 295 SGB V): nicht zur Verschlüsselung zugelassen
Definition:

Das allgemeine Kennzeichen der dissoziativen oder Konversionsstörungen besteht in teilweisem oder völligem Verlust der normalen Integration der Erinnerung an die Vergangenheit, des Identitätsbewusstseins, der Wahrnehmung unmittelbarer Empfindungen sowie der Kontrolle von Körperbewegungen. Alle dissoziativen Störungen neigen nach einigen Wochen oder Monaten zur Remission, besonders wenn der Beginn mit einem traumatisierenden Lebensereignis verbunden ist. Eher chronische Störungen, besonders Lähmungen und Gefühlsstörungen, entwickeln sich, wenn der Beginn mit unlösbaren Problemen oder interpersonalen Schwierigkeiten verbunden ist. Diese Störungen wurden früher als verschiedene Formen der "Konversionsneurose oder Hysterie" klassifiziert. Sie werden als ursächlich psychogen angesehen, in enger zeitlicher Verbindung mit traumatisierenden Ereignissen, unlösbaren oder unerträglichen Konflikten oder gestörten Beziehungen. Die Symptome verkörpern häufig das Konzept der betroffenen Person, wie sich eine körperliche Krankheit manifestieren müsste. Körperliche Untersuchung und Befragungen geben keinen Hinweis auf eine bekannte somatische oder neurologische Krankheit. Zusätzlich ist der Funktionsverlust offensichtlich Ausdruck emotionaler Konflikte oder Bedürfnisse. Die Symptome können sich in enger Beziehung zu psychischer Belastung entwickeln und erscheinen oft plötzlich. Nur Störungen der körperlichen Funktionen, die normalerweise unter willentlicher Kontrolle stehen, und Verlust der sinnlichen Wahrnehmung sind hier eingeschlossen. Störungen mit Schmerz und anderen komplexen körperlichen Empfindungen, die durch das vegetative Nervensystem vermittelt werden, sind unter Somatisierungsstörungen (F45.0) zu klassifizieren. Die Möglichkeit eines späteren Auftretens ernsthafter körperlicher oder psychiatrischer Störungen muss immer mitbedacht werden.

Inklusive:

Hysterie

Hysterische Psychose

Konversionshysterie

Konversionsreaktion

Exklusive:

Simulation [bewusste Simulation] Z76.8

Subkodes10

F44.0 Dissoziative AmnesieMorbi-RSA
F44.1 Dissoziative FugueMorbi-RSA
F44.2 Dissoziativer StuporMorbi-RSA
F44.3 Trance- und BesessenheitszuständeMorbi-RSA
F44.4 Dissoziative BewegungsstörungenMorbi-RSA
F44.5 Dissoziative KrampfanfälleMorbi-RSA
F44.6 Dissoziative Sensibilitäts- und EmpfindungsstörungenMorbi-RSA
F44.7 gemischtMorbi-RSA
F44.8- Sonstige dissoziative Störungen [Konversionsstörungen]Ambulant 4-stelligMorbi-RSA
F44.9 Dissoziative Störung [Konversionsstörung], nicht näher bezeichnetMorbi-RSA

Diagnosehäufigkeit

10.329 Fälle · 75 % Frauen · Gipfel 20 bis unter 25 Jahre · 53 % Neurologie’24

Zusammengezählt über alle Kodes unter F44.-.

Rang 304 von 1.532 auf derselben Katalogebene · 0,058 % aller Krankenhausfälle · Hälfte der Männer ab etwa 36, der Frauen ab etwa 29 Jahren

Alter der Patientinnen und PatientenAnteil der Fälle
Jahre
▸ Zahlen je Altersgruppe
AltersgruppeFälleMännerFrauenAnteil⌀ Tage
unter 1 Jahr1100,010 %16,5
1 bis unter 5 Jahre2020,019 %1,3
5 bis unter 10 Jahre5117340,49 %6,5
10 bis unter 15 Jahre5631254385,5 %15,7
15 bis unter 18 Jahre9571528059,3 %8,6
18 bis unter 20 Jahre7251375887,0 %8,6
20 bis unter 25 Jahre1.6482801.36816 %9,0
25 bis unter 30 Jahre1.09128880311 %12,0
30 bis unter 35 Jahre9272247039,0 %9,1
35 bis unter 40 Jahre8582436158,3 %10,1
40 bis unter 45 Jahre7511845677,3 %14,3
45 bis unter 50 Jahre5811654165,6 %12,5
50 bis unter 55 Jahre5691514185,5 %15,3
55 bis unter 60 Jahre6342294056,1 %13,4
60 bis unter 65 Jahre4051602453,9 %14,0
65 bis unter 70 Jahre210821282,0 %13,4
70 bis unter 75 Jahre156501061,5 %9,5
75 bis unter 80 Jahre6321420,61 %7,3
80 bis unter 85 Jahre7522530,73 %6,5
85 bis unter 90 Jahre5010400,48 %6,4
90 bis unter 95 Jahre11290,11 %9,0
ab 95 Jahren1100,010 %–

Fälle aus dem Datenjahr 2024, Verweildauer aus 2023 — die amtliche Statistik weist die Belegungstage seit 2024 nicht mehr aus.

Verweildauer nach Alter: zwischen ⌀ 8,6 Tagen (18 bis unter 20 Jahre) und ⌀ 15,7 Tagen (10 bis unter 15 Jahre).

Behandelnde Fachabteilung’23

9.908 Fälle

Vor allem Neurologie und Allgemeine Psychiatrie (53 % und 13 %)

  • Neurologie53 %5.288
  • Allgemeine Psychiatrie13 %1.286
  • Pädiatrie12 %1.210
  • Innere Medizin7,1 %705
  • Psychosomatik/Psychotherapie5,8 %578
  • Übrige 22 Abteilungen8,5 %841
▸ Übrige einzeln
  • Intensivmedizin2,4 %240
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie2,1 %208
  • Sonstige Fachabteilung1,3 %133
  • Kardiologie1,0 %100
  • Neurochirurgie0,49 %49
  • Gastroenterologie0,27 %27
  • Hals-Nasen-Ohrenheilkunde0,19 %19
  • Geriatrie0,16 %16
  • Chirurgie0,12 %12
  • Unfallchirurgie0,091 %9
  • Kinderkardiologie0,061 %6
  • Frauenheilkunde und Geburtshilfe0,050 %5
  • Orthopädie0,030 %3
  • Pneumologie0,030 %3
  • Endokrinologie0,020 %2
  • Kinderchirurgie0,020 %2
  • Nephrologie0,020 %2
  • Dermatologie0,010 %1
  • Geburtshilfe0,010 %1
  • Gefäßchirurgie0,010 %1
  • Neonatologie0,010 %1
  • Urologie0,010 %1

Gezählt wird die Abteilung mit der längsten Verweildauer des Falls — nicht jede, die den Patienten gesehen hat.

Gezählt werden Entlassungen, nicht Personen — wer mehrfach im Jahr stationär war, zählt mehrfach. Erfasst ist ausschließlich die Hauptdiagnose: wie oft der Kode als Nebendiagnose vergeben wird, sagt diese Statistik nicht. Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis); Anteile, Summen und Mittelwerte sind eigene Berechnungen. Datenquellen und Urheberrechte

Änderungen

2010Bestand
Dissoziative Störungen [Konversionsstörungen]

Seit mindestens 2010 unverändert. Jahrgänge 2010–2027 und Überleitungstabellen des BfArM. Unterschiede nur in Schreibweise, Abkürzung oder im vorangestellten Text der übergeordneten Rubrik gelten nicht als Änderung.

Quelle: ICD-10-GM, Version 2024 — Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification, herausgegeben vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Inhalte werden unverändert wiedergegeben. Datenquellen und Urheberrechte