1910h Verletzung des Rückenmarks (mit traumatischer Paraplegie und Tetraplegie)

VerwendungKodierrichtlinie — für die Kodierung stationärer Fälle verbindlich; sie geht den Hinweisen der Klassifikationen vor, soweit sie etwas anderes bestimmt.
5 ICDDiagnoseschlüssel, die der Regeltext oder seine Tabellen nennen. Sie sind dort verlinkt und stehen unten als Liste.
Beispiele: 23Kodes, die nur in den Beispielen vorkommen. Sie zeigen die Anwendung, sind aber nicht Gegenstand der Richtlinie — auf ihren Kodeseiten erscheint die Richtlinie deshalb nicht.
8 Min. LesezeitGrobe Schätzung nach der Länge des Volltextes — die amtliche Fassung nennt keinen Umfang.
10 Übungsaufgaben zu 1910 Verletzung des Rückenmarks (mit traumatischer Paraplegie und Tetraplegie) — selbst kodieren und sofort auswerten, im Kodiertrainer.

Wortlaut der Richtlinie

Die akute Phase – unmittelbar posttraumatisch

Unter der akuten Phase einer Rückenmarksverletzung versteht man den Behandlungszeitraum unmittelbar nach dem Trauma. Sie kann mehrere Krankenhausaufenthalte umfassen.

Wenn ein Patient mit einer Verletzung des Rückenmarks aufgenommen wird (z.B. mit Kompression des Rückenmarks, Kontusion, Riss, Querschnitt oder Quetschung), sind folgende Details zu kodieren:

  1. Die Art der Läsion des Rückenmarks ist als erster Kode anzugeben (komplette oder inkomplette Querschnittverletzung).
  2. Die funktionale Höhe (Ebene) der Rückenmarksläsion ist mit einem Kode aus

S14.7-!, S24.7-!, S34.7-! Funktionale Höhe einer Verletzung des zervikalen/thorakalen/lumbosakralen Rückenmarkes

zu verschlüsseln. Für die Höhenangabe der funktionalen Höhe sind die Hinweise bei S14.7-!, S24.7-! und S34.7-! in der ICD-10-GM zu beachten.

Patienten mit Rückenmarksverletzungen haben mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Wirbelfraktur oder -luxation erlitten; demnach sind auch folgende Angaben zu kodieren:

  1. Die Bruchstelle, wenn eine Fraktur der Wirbel vorliegt.
  2. Der Ort der Luxation, wenn eine Luxation vorliegt.
  3. Schweregrad des Weichteilschadens der Fraktur/Luxation

Die akute Phase – Verlegung des Patienten

Wenn ein Patient in Folge eines Traumas eine Verletzung des Rückenmarks erlitten hat und unmittelbar von einem Akutkrankenhaus in ein anderes Akutkrankenhaus verlegt wurde, ist in beiden Häusern der Kode für die Art der Verletzung als Hauptdiagnose anzugeben und der entsprechende Kode für die funktionale Höhe der Rückenmarksverletzung als erste Nebendiagnose.

Rückenmarksverletzung – chronische Phase

Von der chronischen Phase einer Paraplegie/Tetraplegie spricht man, wenn die Behandlung der akuten Erkrankung (z.B. einer akuten Rückenmarksverletzung), die die Lähmungen verursachte, abgeschlossen ist.

Kommt ein Patient in dieser chronischen Phase zur Behandlung der Paraplegie/Tetraplegie, ist ein Kode der Kategorie

G82.– Paraparese und Paraplegie, Tetraparese und Tetraplegie, fünfte Stelle „.2“ oder „.3“

als Hauptdiagnose anzugeben.

Wird ein Patient dagegen zur Behandlung einer anderen Erkrankung wie z.B. Harnwegsinfektion, Fraktur des Femur etc. aufgenommen, ist die zu behandelnde Erkrankung gefolgt von einem Kode der Kategorie

G82.– Paraparese und Paraplegie, Tetraparese und Tetraplegie, fünfte Stelle „.2“ oder „.3“

anzugeben sowie andere vorliegende Erkrankungen. Die Reihenfolge dieser Diagnosen muss sich an der Definition der Hauptdiagnose orientieren.

Für die funktionale Höhe der Rückenmarksschädigung ist zusätzlich der passende Kode aus

G82.6-! Funktionale Höhe der Schädigung des Rückenmarkes

anzugeben.

Die Kodes für die Verletzung des Rückenmarks sind nicht anzugeben, da diese nur in der akuten Phase zu verwenden sind.

Kodierung von Wirbelfrakturen und -luxationen

Siehe auch DKR 1903 Fraktur und Luxation (Seite 139).

Bei Mehrfachfrakturen oder -luxationen wird jede Höhe einzeln angegeben.

Kodes, die diese Richtlinie regelt5

G82.-Paraparese und Paraplegie, Tetraparese und Tetraplegie
G82.6-!Funktionale Höhe der Schädigung des Rückenmarkes
S14.7-!Funktionale Höhe einer Verletzung des zervikalen Rückenmarkes
S24.7-!Funktionale Höhe einer Verletzung des thorakalen Rückenmarkes
S34.7-!Funktionale Höhe einer Verletzung des lumbosakralen Rückenmarkes

Kodes nur in Beispielen23

G82.03Schlaffe Paraparese und Paraplegie: Chronische inkomplette Querschnittlähmung
G82.66!Funktionale Höhe der Schädigung des Rückenmarkes: L2-S1
G83.41Inkomplettes Cauda- (equina-) Syndrom
G95.8-Sonstige näher bezeichnete Krankheiten des Rückenmarkes
G95.81Harnblasenlähmung bei Schädigung des unteren motorischen Neurons [LMNL]
N39.0Harnwegsinfektion, Lokalisation nicht näher bezeichnet
S21.88!Weichteilschaden II. Grades bei offener Fraktur oder Luxation des Thorax
S22.01Fraktur eines Brustwirbels: T1 und T2
▸ noch 15 Einträge
S22.02Fraktur eines Brustwirbels: T3 und T4
S22.06Fraktur eines Brustwirbels: T11 und T12
S23.11Luxation eines Brustwirbels: T1/T2 und T2/T3
S23.12Luxation eines Brustwirbels: T3/T4 und T4/T5
S23.14Luxation eines Brustwirbels: T7/T8 und T8/T9
S24.11Komplette Querschnittverletzung des thorakalen Rückenmarkes
S24.12Inkomplette Querschnittverletzung des thorakalen Rückenmarkes
S24.72!Verletzung des Rückenmarkes: T2/T3
S24.75!Verletzung des Rückenmarkes: T8/T9
S34.72!Verletzung des Rückenmarkes: L2
T11.-Sonstige Verletzungen der oberen Extremität, Höhe nicht näher bezeichnet
T12.-Fraktur der unteren Extremität, Höhe nicht näher bezeichnet
3-203Native Computertomographie von Wirbelsäule und Rückenmark
5-836.41Spondylodese: Dorsal und ventral kombiniert, interkorporal: 2 Segmente
5-83b.31Osteosynthese (dynamische Stabilisierung) an der Wirbelsäule: Durch ventrales Schrauben-Platten-System: 2 Segmente