SEG-4 Kodierempfehlungen

268Nierenversagen, akut, prärenal, Niereninsuffizienz, Nierenkrankheit, chronisch – durch Schlichtungsausschuss entschiedenICD:N17.-,N17.9-,N19
Erstellt2009-06-04
Aktualisiert2021-01-01
ICD:N17.-Akutes Nierenversagen
ICD:N17.9-Akutes Nierenversagen, nicht näher bezeichnet
ICD:N19Nicht näher bezeichnete Niereninsuffizienz

Problem/Erläuterung:


1. Nach welchen Kriterien wird ein akutes Nierenversagen (ohne Histologiebefund) verschlüsselt?


2. Wie wird ein prärenales Nierenversagen z. B. bei Exsikkose kodiert?


3. Wann wird von einer chronischen Niereninsuffizienz/Nierenkrankheit gesprochen?


Kann eine chronische Niereninsuffizienz/Nierenkrankheit als Nebendiagnose kodiert werden, wenn die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) nur unter Verwendung der MDRD (Modification of Diet in Renal Disease)- oder Cockroft-Gault-Formel bestimmt wird ohne sonstige Maßnahmen?


Kodierempfehlung:


Entscheidung Schlichtungsausschuss:


Die Kodierung des akuten und chronischen Nierenversagens richtet sich nach dem Wortlaut des ICD-10-GM. Die chronische Niereninsuffizienz ist eine strukturelle oder funktionelle Auffälligkeit der Niere über mehr als 3 Monate mit Auswirkung auf die Gesundheit.


Kodierempfehlung bis zur Entscheidung des Schlichtungsausschusses:


1. Das akute Nierenversagen (ANV) ist eine schnell eintretende, prinzipiell reversible Verschlechterung der exkretorischen Nierenfunktion.

Die Diagnose orientiert sich an den Rifle-Kriterien (Risk-Injury-Failure-Loss-ESRD; internationale Konsensuskonferenz 2004) – Definition ANV (RIFLE-Stadium Failure):

• Anstieg des Serumkreatinins um das 3-fache des Ausgangswertes oder

• Serum-Kreatinin ? 4 mg/dl mit einem akuten Anstieg von mindestens 0,5 mg/dl oder

• Abfall der GFR > 75 % oder

• Rückgang der Urin-Ausscheidung auf 30 mg/g bzw. ? 3 mg/mmol)

- Abnormes Urinsediment

- Elektrolytstörungen oder andere abnorme Befunde infolge tubulärer Erkrankung

- Abnormer histologischer Befund

- Abnorme Befunde in bildgebenden Verfahren

- Nierentransplantation in der Anamnese

oder

- GFR < 60 ml/min/1,73 m2 über mindestens 3 Monate


4. Die chronische Niereninsuffizienz/Nierenkrankheit hat bei der in Frage 4 genannten Konstellation das Patientenmanagement nicht beeinflusst. Der abnorme Befund hat keine klinische Bedeutung im Sinne einer therapeutischen Konsequenz oder einer weiterführenden Diagnostik gehabt. In diesem Fall ist die chronische Niereninsuffizienz/-krankheit nicht als Nebendiagnose anzugeben.


Grundsätzlich gilt auch für diese Kodierempfehlung, dass bei der Kodierung als Nebendiagnose das Patientenmanagement beeinflusst sein muss.